Tierschutztransport_aus_dem_Ausland
 
 

Tierschutztransport aus dem Ausland – Handel oder Tierschutz?
- Hilfe für die Suche nach dem „richtigen“ Tierschutzverein -

Wie aktuell in der Presse nachzulesen ist, fallen immer mehr schlecht organisierte und durchgeführte Auslandstransporte von „schwarzen Schafen des Tierschutzes“ den kontrollierenden Behörden in die Hände, was dem Ruf des seriösen Tierschutzes sicherlich nicht förderlich ist. Vorwürfe wie Hundehandel/Welpenhandel und tierquälerische Zustände auf Tiertransporten werden laut und verunsichern insbesondere Interessenten, welche gerne einen Hund aus dem Tierschutz haben möchten.

Mit der folgenden Liste möchte „Hinsehen statt Wegschauen“ gerne Informationen an die Hand geben, worauf bei einem Auslandstransport geachtet werden sollte. Gehen Sie als Interessent mit dem von Ihnen ausgesuchten Tierschutzverein ins Gespräch und hinterfragen Sie die Herkunft, den Transport, die Papiere des Tieres und das Vermittlungsprocedere; seriöse Tierschutzvereine geben Ihnen bereitwillig und ausführlich Auskunft in Wort und ggf. Bild.

Diese Infos gelten nicht für den privaten Grenzübertritt mit dem eigenen Hund.

Vorbereitung:

Der Hund benötigt:

  • eine eindeutige Kennzeichnung durch einen Mikrochip
  • eine gültige Tollwutimpfung (Anmerkung: ein Welpe ist erst im Alter von ca. 15/16 Wochen wirksam gegen Tollwut geimpft)
  • einen EU-Heimtierausweis (blau mit EU-Sternenkranz), in welchem der Eigentümer mit vollständiger Adresse, der Hund mit Namen, Rasse, Geschlecht, Geburtsdatum, Haarkleid, Farbe, Mikrochipnr., Datum des Chippens und Ort des Chips, sowie alle vorhandenen Impfungen (einschließlich gültiger Tollwutimpfung; mit Impfaufkleber des Herstellers, Unterschrift und Stempel eines zugelassenen Tierarztes) eingetragen sind. Nachträgliche handschriftliche Änderungen machen den Ausweis/Impfeintrag ungültig.
  • eine Gesundheitsbescheinigung, aus der hervorgeht, dass das Tier innerhalb 24 Stunden vor dem Transportbeginn von einem von der zuständigen Behörde zugelassenenen Tierarzt (Amtsveterinär) untersucht und für transportfähig erklärt wurde.

Transportfähigkeit:

  • Kranke und verletzte Tiere sind nicht transportfähig. Transportunfähig sind Tiere, die z. B. Schwere Verletzungen haben; Blutungen aufweisen; frisch operiert sind; ein gestörtes Allgemeinbefinden haben oder (allgemein gehalten) unter einer Verletzung leiden, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden ist.
  • Leicht verletzte Tiere oder erkrankte Tiere, denen durch den Transport kein zusätzliches Leid zugefügt wird, sind transportfähig (gem. Europäisches Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport).
  • Sedierungen werden von Tierärzten als sehr kritisch gesehen und von verantwortungsvollen Tierschützern abgelehnt. Beim Einsatz dieser Medikamente – insbesondere in Verbindung mit Stress - kommt es häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen und psychischen Schäden. Transporte mit sedierten Tieren sollten grundsätzlich unter tierärztlicher Aufsicht stehen.

 

Transportfahrzeug und -behältnis:

  • Für jedes Tier muss eine geeignete Transportbox zur Verfügung stehen, welche auch entsprechend gekennzeichnet sein muss (Hundename, Absender, Empfänger etc.).
  • Die Transportbox muss so stabil sein, dass sie das Gewicht des Hundes tragen kann und nicht einknickt, wenn der Hund sich gegen die Boxenwand lehnt.
  • Die Transportbox muss der Größe des Hundes entsprechend sein. Der Hund sollte bequem aufrecht stehen können.
    • Widerristhöhe bis 20 cm = Boxengröße 40x30x30 (LxBxH), 1200 cm² Fläche
    • Widerristhöhe bis 30 cm = Boxengröße 55x40x40 (LxBxH), 2200 cm² Fläche
    • Widerristhöhe bis 40 cm = Boxengröße 75x50x55 (LxBxH), 3750 cm² Fläche
    • Widerristhöhe bis 55 cm = Boxengröße 95x60x70 (LxBxH), 5700 cm² Fläche
    • Widerristhöhe bis 70 cm = Boxengröße 130x75x95 (LxBxH), 9750 cm² Fläche
    • Widerristhöhe bis 85 cm = Boxengröße 160x85x115 (LxBxH), 13600 cm² Fläche
  • Der Boden der Transportbox muss rutschfest und leicht zu reinigen/desinfizieren sein. Es muss dafür Sorge getragen werden, dass der Untergrund bzw. das Einstreu den Urin und Kot in ausreichender Weise während der Fahrt aufnimmt. Beim Beladen von mehreren Boxen übereinander darf kein Urin/Kot von den darüberstehenden Boxen in die darunterstehenden gelangen.
  • Die Transportbox muss leicht zugänglich im Fahrzeug montiert werden, d.h. man braucht nicht erst noch andere Boxen aus dem Weg räumen, um zu dem Hund zu gelangen. Außerdem muss die Box gegen Verrutschen bzw. Umfallen gesichert sein; am besten durch Transportgurte oder Festmontage am Fahrzeug.
  • Die Transportbox muss sich schnell öffnen lassen und trotzdem sicher verschlossen sein, damit die Box weder durch Erschütterungen während der Fahrt, noch durch den Hund geöffnet werden kann.
  • Wenn möglich, muss eine der Größe des Hundes entsprechende Trinkmöglichkeit in der Box vorhanden sein. Der Napf sollte gegen Verschütten/Umwerfen geschützt sein. Der Hund sollte das Trinken aus dem Napf kennen.
  • Bei Transport von mehreren Hunden (vorallem Hunde, die vorher nicht im Rudel zusammengelebt haben) sollte zwischen jeder Box ein Sichtschutz sein.
  • Läufige Hündinnen müssen von Rüden getrennt befördert werden.
  • Das Transportfahrzeug muss sich in einem technisch und hygienisch einwandfreien Zustand befinden und mit dem Schild "Lebende Tiere" gekennzeichnet sein.
  • Das Transportfahrzeug muss für den Transport von Tieren zugelassen sein.
  • In dem Transportfahrzeug sollte es eine witterungsangepaßte Luftzirkulation bzw. Klimatisierung geben. Außerdem sollte das Fahrzeug mit Licht im Laderaum ausgestattet sein und möglichst über ein Fenster vom Fahrerhaus zum Transportraum verfügen (zur Sichtkontrolle).

SO NICHT!
Ein mit Boxen vollgestopfter Transporter: unzureichend gesicherte Boxen, welche teilweise mehrfach belegt sind; die Boxen sind außerdem nicht sofort erreichbar (man muss erst einige Boxen aus dem Weg räumen, um an die hinteren zu kommen). Der Transporter ist komplett geschlossen und hat keine Klimatisierung.

SO IST ES RICHTIG!
Für jeden Hund die passende Boxengröße. Die Boxen sind beschriftet und ohne Hindernis sofort zugänglich. Im Transporter ist es hell, freundlich und klimatisiert.

Ablauf des Transportes:

  • Bei dem Fahrer bzw. Begleiter muss es sich um fachkundige Personen handeln, die diese Fähigkeiten auch durch einen entsprechenden Sachkundenachweis bescheinigen müssen. Diese Bescheinigung ist mitzuführen. Begleitpersonen müssen im Umgang mit Hunden erfahren sein und deren Bedürfnisse kennen. Sie müssen wissen, wie man sich bei Verletzungen/Erkrankung der Tiere während der Fahrt, bei einem Unfall und bei Be-/Entladen richtig zu verhalten hat. Ebenso müssen diese Personen über die Ein- und Ausfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes informiert sein.
  • Der Fahrer hat alle notwendigen Unterlagen (Eu-Ausweise, wichtige Telefonnummern von Kontaktpersonen/Tierärzten, ggf. Frachtbrief/Transportliste/Tierschutzverträge etc.) für etwaige Kontrollen griffbereit zu haben. Unnötige Zeitverzögerungen sind zu vermeiden.
  • Während der Fahrt ist auf eine angepaßte Fahrweise zu achten. Ruckartige Lenkbewegungen, starkes Bremsen und Anfahren u.ä. erhöhen den Stress im Transportraum.
  • Der Transporter darf zu keiner Zeit alleine gelassen werden. Bei etwaigen Tankstopps o.ä. sollte die Begleitperson im Frachtraum nach dem Rechten schauen, ob alle Hunde noch fit sind, Wasser haben etc.
  • Hunde müssen spätestens laut Transportgesetz nach jeweils 8 Stunden getränkt werden. Das Tränken kann entfallen, wenn die Hunde jederzeit Zugang zu Wasser haben. Hierbei ist die Größe des Napfes zu beachten; die meisten vom Transportboxen-Hersteller mitgelieferten kleinen Plastiknäpfe sind nicht geeignet, einem mittelgroßen Hund über 8 Stunden genug Wasser zur Verfügung zu stellen. Wir empfehlen eine Pause alle 2 – 3 Stunden zum Kontrollieren der Wassernäpfe und zum eventuellen Reinigen von Boxen sowie Säubern/Auffüllen der Näpfe.

Ankunft:

  • Die Abholer sind pünktlich vor Ankunft des Transportes vor Ort
  • Ruhe und Übersicht bewahren, laute Rufe oder hektische Bewegungen vermeiden
  • Vor Ankunft der Hunde wurden bereits die schriftlichen Dinge wie Übernahmeverträge/Tierschutzverträge etc. erledigt und die Fragen der neuen Familien/Pflegefamilien/Abholer beantwortet.
  • Die Hunde werden - noch möglichst im geschlossenen Transporter bzw. in eingezäuntem, ruhigem Gelände – mit Geschirr & Halsband an Doppelleine gesichert (Doppelsicherung gibt mehr Sicherheit vor panikartigem Rauswinden aus Halsband/Geschirr und Weglaufen).
  • Den Hunden bekommen sofort nach dem Ausstieg die Möglichkeit zum Lösen, ebenso Wasser zum Trinken angeboten.

 

Übrigens:

  • Ein seriöser Tierschutzverein hat, bevor Sie ihr neues Familienmitglied in die Arme schließen dürfen, einen Vorbesuch (auch Vorkontrolle genannt) bei Ihnen gemacht.
  • Von einem seriösen Tierschutzverein erhalten Sie so viel wie möglich Informationen (und Bilder) über Ihren Hund, den Adoptionsablauf, die Tierschutzgebühr.
  • Bei einem seriösen Tierschutzverein liegt die Tierschutzgebühr bei ca. 200,- bis 250,- Euro (auch für einen Welpen).
  • Sie sollten darauf bestehen, dass Sie einen gechipten, geimpften, entwurmten Hund erhalten und diese „Behandlungen“ auch nachgewiesen werden können. Im besten Fall hat der Hund bereits eine tierärztliche Voruntersuchung hinter sich; seien Sie sich allerdings bewußt, dass Hunde aus dem Tierschutz immer „Wundertüten“ sind und man Ihnen keinerlei Gesundheitsgarantie geben kann.
  • Ein seriöser Tierschutzverein begleitet Sie auch nach Übernahme Ihres Hunde in einer aktiven Nachbetreuung. Man ist weiterhin an dem Wohlergehen des ehemaligen Schützlings interessiert. Im Idealfall wird man Sie bitten, zukünftig ein Onlinetagebuch auf den Forenseiten des Vereins zu führen.
  • Ein seriöser Tierschutzverein, welcher aktiven Auslandstierschutz betreibt, leistet auch Hilfe vor Ort; er unterstützt Kastrations- und Impfprogramme, arbeitet mit ausländischen Tierschutzvereinen in den jeweiligen Herkunftsländern zusammen (hilft z.B. beim Bau von neuen Zwingeranlagen, stiftet Hütten o.ä.). Im besten Fall fließt ein Großteil der vereinnahmten Tierschutzgebühren in das Urspungsland zur Unterstützung des Tierschutzes vor Ort zurück.

Die aktive Hilfe vor Ort kann vielseitig sein – ich kann Ihnen allerdings nur raten, die Finger von reinen „Tierrettungsvereinen“ zu lassen, welche in regelmässigen Abständen Großtransporte (insbesondere von Welpen/Jungtieren oder Rassehunden) nach Deutschland bringen und sonst keinerlei Auslandshilfe leisten. Schauen Sie hier genau hin, informieren Sie sich und stellen gezielte Fragen, damit Sie nicht einem der sogenannten „schwarzen Schafe im Tierschutz“ aufsitzen.

Quellenangaben:

  • Lorz/Metzger, Tierschutzgesetz, Kommentar, 6. Auflage;
  • Hackbarth/Lückert, Tierschutzrecht, 2. Auflage;
  • Tierschutztransportverordnung;
  • Europäisches Übereinkommen über den Schutz von Tieren beim internationalen Transport;
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz;
  • Zergportal.de;

Diese Informationen wurden nach bestem Wissen und mit größstmöglicher Sorgfalt zusammengestellt und werden immer nach neuster Kenntnis ergänzt bzw. aktualisiert. Die Autorin übernimmt jedoch keine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit. Diese Informationen dienen ausschließlich als Anhaltspunkte. Die Anwendung erfolgt auf eigene Gefahr. Für Schäden jeglicher Art haftet ausschließlich der Anwender, nicht die Autorin.

© Kathrin Hansen, www.hinsehens-statt-wegschauen.de, 2010