Der 1. Sonntag im Mai: die Sonne scheint und wir machen uns auf zu einem Ausflug auf einen traditionellen Bauernmarkt im bergischen Land. Die Werbung für diesen Bauernmarkt klingt vielversprechend und so freuen wir uns auf altes Traditionshandwerk und leckere Lebensmittel vom Direkterzeuger – eben eine Reise in die Vergangenheit.
Kaum auf dem Gelände angekommen wird klar, dass viele hundert Besucher die gleiche Idee haben wie wir: mühsames Parkplatzsuchen und lange Schlangen an den Kassen. Nach ca. ¾ Stunde Anstehen und 2,- Euro Eintritt pro Person stehen wir dann auf dem Bauernmarkt… und es verschlägt uns den Atem!

Menschenmassen schieben sich durch die Gänge zwischen Holzunterständen, in welchen eine Vielzahl von Gitterkäfigen aufgestellt und teilweise übereinander gestapelt ist. Die meisten Käfige sind mit Federvieh oder Hasen in allen Farben und Größen belegt… viele der Tiere kauern zusammengepfercht bewegungslos hinter Gitter – teilweise kann man 10 Tiere oder mehr in diesen kleinen Käfigen zählen! Einige Menschen kommen uns bereits mit großen, notdürftig zusammengeschnürten Pappkartons entgegen, aus denen es manchmal leise piepst. Ein besonders eifriger Käufer stapelt mehrere, teilweise instabile Pappkartons auf eine Sackkarre aufeinander… es hat den Anschein, als ob die Tiere im untersten Karton von dem Gewicht der darüber gestapelten Kartons fast erdrückt werden… dabei murmelt der Käufer eine Zahl vor sich hin – scheinbar ist sein Kauf noch nicht komplett.

Unser Blick bleibt bei einem großen Rammler hängen… der Hase, welcher laut Verkäufer ca. 8 – 9 Kilo auf die Waage bringt, sitzt regungslos in seinem Käfig – den Hintern durch das Gitter gepresst, stößt er mit der Nase an der gegenüberliegenden Gitterwand an… für mindestens 5 Stunden (so lange dauert der Markt) ist dieser Minikäfig sein Gefängnis. Und seine Zukunft? Vermutlich der Kochtopf oder ein weiterer kleiner Hasenstall… einfach nur traurig!

Eine Etage tiefer hat der Händler mehrere Kästen übereinander gestapelt. Darin kauern viel zu viele kleine Hasen in einem kleinen Gitterkäfig… um sie herum nur Menschenbeine und Hände, welche immer wieder durch die Stäbe grabschen. Wir schauen uns kopfschüttelnd an: sieht so eine artgerechte Tierhaltung aus? Wo bleibt hier die Einhaltung der Tierschutzgesetze?

Fassungslos drehen wir uns um und gehen weiter… bis wir durch das Menschengemurmel ein paar Piepsstimmen hörten: Welpen! Und da sind sie auch schon: Welpen im kleinen Gitterauslauf, flüchten vor einem Mädchen, welches sich unbedingt noch zu den Hundebabys dazuquetschen muss… ihr Mutter steht geschäftstüchtig daneben und preist weitere Hundewelpen interessierten Käufern an. Auf die Frage nach der Hundemutter werden schnell ein paar Bilder aus der Tasche gezogen… nachdem wir den Kaufpreis erfahren, drehen wir uns um und gehen. Kaum wenige Meter weiter noch mehr Welpen: als Blickfang sitzt eine ältere Frau mit einem schwarzen Cockerwelpen auf dem Arm vor einer Gitterkäfigreihe. Der kleine Hund schläft erschöpft auf dem Schoss, während seine Geschwister regungslos in einem kleinen Gitterkäfig liegen – ohne Wasser, nur ungenügend geschützt gegen die schon starke Frühlingssonne und als direkte Nachbarn ein paar eingesperrte Tauben.
schwarzen Cockerwelpen
Gleich daneben ist ein Geflügelstand mit unzähligem Federvieh aufgebaut: unten eingepfercht stehen eine Vielzahl von erwachsenen Tieren… oben drauf stehen bereits in Pappkartons abgepackte lebendige Küken zum Mitnehmen bereit: lebendiges Take-away-Nutzvieh!

Wir schieben uns weiter durch die Menschenreihen Richtung Ausgang.
Mittlerweile ist es Mittagszeit und die Frühlingssonne hat ihren Höhepunkt fast erreicht. Viele der Tiere sitzen ungeschützt in ihren Behausungen – auf einem kleinen Vorplatz ist ein Tapeziertisch aufgebaut, auf welchem u.a. Hundewelpen in der prallen Sonne verkauft werden. Angebunden an dem Tisch versucht ein Junghund vor den Besuchern zu flüchten… und kurz vor dem Ausgang fällt uns ein geöffneter PKW-Kofferraum auf, vor welchem sich auffallend viele Kinder mit ihren Eltern tummeln. Neugierig schauen auch wir durch den Pulk und uns stockt der Atem: ein Hundehändler verkauft seine Welpen direkt aus dem Kofferraum! Die kleinen Hundebabies liegen erschöpft im heißen Auto – ohne Wasser und Futter oder ihre Mutter. Ihnen fehlt jegliche Aktivität und Neugier – sie lassen sich von den vielen Händen bekrabbeln, ab und zu wird einer grob hochgenommen und einem Interessenten auf den Arm gelegt. Mit ein wenig Abstand beobachten wir, wie ein junger Mann einen Welpen kauft… nach ein paar Verhandlungen wird der Preis gedrückt – wohin der Welpe verkauft wird, interessiert den Händler nicht, Hauptsache der Preis stimmt! Mit Handschlag verkauft – wie in alten Zeiten… heißt deshalb dieser Tierumschlagplatz publikumswirksam „traditioneller Bauernmarkt“?

Wir haben genug gesehen und wollen diese Missstände der Marktleitung melden. Nach einigem Suchen finden wir diese auch… leider kann man uns den zuständigen Amtsveterinär, welcher eigentlich bei jeder Veranstaltung dieser Art vor Ort sein muss, nicht nennen… man wolle sich aber um den Hundehändler, welcher seine Tiere aus dem Kofferraum verkaufe, kümmern – so verspricht man uns. Allein der Glaube fehlt uns… denn im Nachhinein wissen wir, dass der Hundehändler bis zum Marktende seinen Welpenverkauf fortgesetzt hat – im Übrigen ein alter Bekannter: es handelt sich bei diesem Hundehändler um einen alten Bauern, welcher seit Jahren Tiere in tierschutzwidrigen Zuständen auf seinem Hof hält und seine Welpen auf dem Markt verkauft. Es handelt sich um den Bauern, über welchen RTL am 20.04.2009 bereits berichtet hat…
Auch Tage nach unserem Marktbesuch lassen uns die Bilder der Tiere dort nicht los… wir stehen mit den für den Markt und auch den Bauern zuständigen Behörden in Kontakt und werden zu gegebener Zeit weiter berichten.
Mehr zum aktuellen Fall *hier*
Hinsehen statt Wegschauen! Und wenn auch Ihnen dieser Markt oder Bauer bekannt vorkommt, schreiben Sie uns. Wir suchen weitere Besucher & Zeugen, welche unsere Erlebnisse bestätigen können bzw. uns auf weitere Missstände aufmerksam machen. Es muss sich etwas ändern – zum Wohle der Tiere!
© Kathrin Hansen, Mai 2009
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