Klimatisierte Verkaufsräume mit Hundebeach und Balkon - wohlklingende Beschreibung von Verkaufsräumen eines deutschen Hundehändlers....
Doch woher kommen die "ach so süßen Welpen" und warum berichten enttäuschte Welpenkäufer immer wieder über kurz nach dem Kauf erkrankte oder gar verstorbene Welpen?
Im Sommer 2010 sind RTL-Reporter und Kathrin Hansen den Produzenten deutscher Hundehändler auf der Spur...
...wir besuchten u.a. eine Vermehrerin, welche Berner Sennenhunde und andere gutgehende Rassen besitzt. Ende 2009 hat sie einige Welpen an einen deutschen Händler verkauft, der ursprünglich über eine Anzeige im in Hundehandelskreisen einschlägig bekannten Internetportal Kontakt zur ihr aufgenommen hatte. Uns ist bekannt, dass einer dieser Welpen leider wenige Tage später bei seiner Besitzerin gestorben ist.
Hinter dem Wohnhaus befand sich eine kleine Schuppenanlage mit winzigen Abteilen (schätzungsweise 1 x 3 m). Die Abteile bestanden aus Lehmboden; es gab weder Decken, Körbchen oder saubere Liegeflächen, noch Wasser für die Hunde (und das bei 38 Grad Mittagshitze!). In einem Abteil waren 7 Bernerwelpen eingesperrt, die Mutterhündin war im danebenliegenden Abteil untergebracht. Für 5 Welpen sollten wir umgerechnet je 120,- Euro pro Tier zahlen, den 6. Welpen - einen "minderwertigen" - könnten wir dann umsonst mitnehmen...

Die nächste Adresse befindet sich nahe der rumänischen Grenze: eine Vermehrerin hatte Ende 2009 Shih-Tzu-Welpen an einen deutschen Händler verkauft - über einen Zwischenhändler. Einer der dann in Deutschland weiterverkauften Welpen starb nur wenige Tage trotz tierärztlicher Hilfe.
Wir bekamen die Adresse des Zwischenhändlers. Als wir diese Adresse anfuhren, wurden wir schon erwartet...
Man zeigte uns Hunde, bei deren Anblick es uns die Sprache verschlug: In einem Einfamilienhaus mitten im Wohngebiet war jede Freifläche auf „Produktion“ ausgerichtet. Es liefen erwachsene Shih Tzus und franz. Bulldoggen herum (Rüden wie Hündinnen), die Hündinnen meist mit ziemlich ausgeprägtem Gesäuge. Der Fellzustand war eine Katastrophe: viele der Hunde hatten Verletzungen, vereiterte Augen und Nasen; die Bullis standen wegen des zu kurzen Nasenrückens und der Hitze fast vor einem Kollaps. Sie japsen laut hörbar nach Luft. Man präsentierte uns einige Bulliwelpen und Shih-Tzu-Welpen auf einem kleinen Trampolin. Obwohl diese Welpen noch keine 8 Wochen alt waren, hätten wir diese sofort mitnehmen können. Angeblich waren sie schon geimpft – um Chip und Impfpass müssten wir uns aber selbst kümmern. Der Preis pro Welpe lag wieder bei ca. 120,- Euro.
Stolz zeigte man uns einen weiteren Teil der Anlage: hinter dem Haus befand sich ein kleiner staubiger Sandplatz, in welchem verschiedene Kleinrassen eingesperrt waren. Das in rostigen Blechschüsseln oder gebrauchten Töpfen angebotene Wasser war grün und sicherlich schon seit Tagen nicht mehr gewechselt worden. Es lagen Spritzen mit einer undefinierbaren Flüssigkeit, verweste Abfallreste und schleimiger Kot im Auslauf. Der Auslauf selbst glich einem „Schweizer Käse“: er war voller Buddellöcher, in welchem die Hunde teilweise fast apathisch lagen...
Ein paar Meter weiter wurden uns stolz die „großen Hunde“ gezeigt: auf einem Platz, der auf den ersten Blick wie ein Schrottplatz aussah, liefen einige Labradore herum. Ich musste mit den Tränen kämpfen, als ein älterer Labradorrüde dreibeinig auf mich zuhüpfte... ein Hinterbein war in völlig unnatürlicher Haltung vom Körper abgespreitzt und der Unterschenkel zusätzlich noch nach hinten gebogen – ein graumsamer Anblick. Was hatte man mit diesem armen Hund nur angerichtet? Im Hintergrund liefen Hündinnen aufgeschreckt hin und her; sie suchten ängstlich ein Versteck – man hatte fast das Gefühl, sie wollen sich unsichtbar machen... mich überkam das Gefühl: hier erleben wir gerade eine Hundehölle!
Die Hundehändlerin zeigte sich völlig unbeeindruckt angesichts dieses schrecklichen Anblicks; sie versuchte uns sogar von ihrer Güte zu überzeugen, weil sie solch einen „Krüppel“ noch weiter durchfütterte... da sie vielleicht spürte, dass dieser Überzeugungsversuch misslang, führte sie uns schnell wieder auf den Hof zu den angebotenen Welpen zurück. Sie bot uns an, dass wir ihr gerne ein oder zweimal im Monat eine Bestellliste zuschicken könnten und sie dann aus ihrem Bekanntenkreis, der ca. 600 - 700 Vermehrer zählt!, die Welpen nach unseren Wünschen zusammenstellen könnte. Es seien jederzeit alle Rassen verfügbar, so ergänzte sie stolz.

Tagdrauf begleiteten wir einen von den Veterinärbehörden beauftragten Tierretter und ungarische Tierschutzkollegen zu einem weiteren Vermehrer. Dieser lebte mitten im Wald - kilometerweit kein Nachbarn... ungarische Einöde - ideal zur ungestörten Hundeproduktion geeignet:

Die Hunde dort lebten in kleinen Gitterkäfigen und an kurzen Ketten angebunden. Gefüllte Wassernäpfe suchten wir vergeblich - die Eimer waren leer und für die Kettenhunde auch nicht erreichbar... und das bei fast 40 Grad Hitze.
Als erste Maßnahme musste der Besitzer alle Tiere in unserem Beisein tränken... es war erschütternd zu sehen, wie gierig die Tiere das Wasser aufnahmen; trächtige Hündinnen wirkten wie ausgetrocknet und tranken minutenlang...

Eine trächtige Hündin beschlagnahmten die ungarischen Tierschützer sofort: sie war in einem schlimmen Zustand und stand kurz vor der Geburt. Das weiße Fell war übersät mit scheinbar tausenden von Flöhen und Milben... die Haut "lebte" und war schwarz von Ungeziefer und deren Kot. Der Behördenvertreter erteilte dem Hundebesitzer weitere Auflagen und erklärte, am nächsten Tag zur Kontrolle wiederzukommen...
Möchten Sie erfahren, wie es der Hündin geht? Besuchen Sie die Website von Noe/Minimehely unter www. minimenhely.hu
Welpen bei Hundehändlern können uns ihre Geschichte nicht erzählen... wir können durch Erlebnisse, Berichte und Bilder wie die oben gezeigten nur erahnen, welches Leid hinter der "Produktion der Ware Hund" tatsächlich steckt.
Aber: jeder Kaufinteressent hat die Macht, dieses Elend zu verhindern!
Bitte kaufen Sie keine Welpen im Zoohandel, beim Hundehändler oder im Internet! Angebot und Nachfrage... Sie können durch Ihr Kaufverhalten solch Elend eindämmen!
Worauf Sie achten sollten, wenn Sie sich einen Welpen aufnehmen möchten? *Hier* haben wir einige Anhaltspunkte für Sie zusammengestellt.
Erheben Sie Ihre Stimme!
Beteiligen Sie sich an der Unterschriftenaktion
"Nein zum Welpenhandel!"
© Kathrin Hansen, August 2010 |